Auch der TA betreibt eine unterschwellige Propaganda

Martin Kilians Artikel “Chirurgische Präzision gegen Afroamerikaner” im TA vom7.09.2016 hat zwar einen guten Titel, doch unterlässt es Kilian, die einzelnen, zitierten Meldungen kritisch zu hinterfragen.

 

Schon im Untertitel “Nicht nur russische Hacker könnten die Rechtmässigkeit der US-Wahlen infrage stellen” bedient er das Klischee. Die „Gefahr der Russischen Hackerangriffe“ wird weiter verfestigt, ohne irgendwelche kritische Hinterfragung “X beschuldigt …”, “US-Dienste sind laut Medienberichten überzeugt …”, die “Washington Post befürchtet …” doch eine kritische Analyse, ob tatsächlich Russische Hacker am Werk waren, fehlt gänzlich.

 

Schon als Wikileaks die Emails der DNC veröffentlichte, gab es kritische Stimmen, die darauf hinwiesen, dass es keine Rolle spiele, wer die Mails gehackt habe, sondern was die Mails offenbaren: Kandidatenmanipulation, Schein-Demokratie, Vorwahlen als Farce. Hätte sich das Clinton-Sanders Debakel in Russland abgespielt, die Medien hätten sich mit Meldungen über das „totalitäre Russland“ überschlagen.

 

Genau dies aber unterschlägt Kilian in diesem Absatz:

 

US-Dienste sind laut Medienberichten überzeugt, dass russische Hacker hinter der Cyberattacke standen. «Als Wladimir Putin dazu befragt wurde, hat er kaum die Energie zu einem Dementi aufgebracht», sagte Clinton am Montag. Tatsächlich hatte der russische Präsident in einem Interview mit «Bloomberg News» erklärt, es sei nebensächlich, wer sich die Mails besorgt habe: «Wichtig ist, dass die Öffentlichkeit den Inhalt erfuhr.»

 

Der nächste Absatz ist besonders tückisch:

 

Bereits im August alarmierte das FBI bundesstaatliche Wahlbehörden über die Gefahr von Attacken auf die elektronischen Wahlsysteme, nachdem Hacker versucht hatten, in den Staaten Arizona und Illinois in die Wahlcomputer einzudringen. Die «Washington Post» berichtete überdies, dass Harry Reid, der demokratische Fraktionschef im Senat, nach einem FBI-Briefing über die Cyberangriffe «zutiefst erschüttert» gewesen sei.

 

Hier handelt es sich um generelle Hackerangriffe, doch im Lesefluss gehen wir natürlich von Russischen Hackern aus. Die katastrophalen, elektronischen Wahlsysteme in den USA haben nichts mit russischen Hackern zu tun. Der InfoSperber berichtete ausführlich über die Schwächen der Wahlssysteme.1 Der Abschnitt bestätigt das Klischee („Grosse Gefahr“).

 

Danach folgen tatsächlich zwei Absätze über die Ausgrenzung der afroamerikanischen Bevölkerung.

 

Merkwürdig ist jedoch der Schluss. Gemäss Titel geht es um die Benachteiligung Afroamerikanischer Wähler, doch der letzte Paragraph schreibt wieder nur “über die Gefahr russischer Einflussnahme auf die Wahlen” wieder mit der assoziativen Verknüpfung „russische Hacker“ mit «kritischen Infrastruktur» und „geschützt werden“. Dass die maroden Wahlsysteme, wie oben erwähnt, grundsätzlich geschützt werden müssen gegen alle Hackerangriffe, werden die wenigsten Lesenden erkannt haben.

 

 

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