Coopémon Go oder wider die Papierflut

Ich kann nur sagen: So ein Quatsch!

Da gibt sich der Schweizer Detaillist Coop nachhaltig, wirbt mit ökologischen Image („I love Mother Nature“) und führt dann diese „77 bons“ Gutschein-Kampagne durch: Eine 50 Gramm Broschüre mit 77 Gutscheinen, die wohl in einer Auflage von 100’000 Exemplaren oder mehr gedruckt wurde. Mit solchen Aktionen verschwendet Coop nicht nur materielle Ressourcen, der Aufwand für das Personal ist nicht zu unterschätzen.

Aktionen sind nichts Schlechtes per se. Ganz im Gegenteil. Wenn eine Ware in grossem Überfluss daherkommt, ist es nicht nur sinnvoll, sondern auch gerecht, die Fülle den Kunden weiterzugeben. Nicht nur Landwirtschaftsprodukte sind Schwankungen unterworfen, alle Güter folgen den Hochs und Tiefs von Angebot und Nachfrage. Auch Reduktionen sind sinnvoll. So kann verhindert werden, dass Produkte im Abfall landen und der Kunde freut sich über ein Schnäppchen.

Was im 21 Jh. fraglich ist – insbesondere für einen Detaillisten, der mit Nachhaltigkeit wirbt – sind künstliche Kaufanimierungen, die menschliche und materielle Ressourcen verschwenden. Es gibt heutzutage genügend Alternativen, die für die Kunden angenehmer sind und gleichzeitig weniger Energie verbrauchen.

Hier einige Vorschläge für Coop für eine bessere Ökobilanz:

  • Steigen Sie um auf digital. Erstellen Sie diese Gutscheine – wenn es sie denn wirklich braucht – digital und die Gedruckten mit QR Code zum einscannen und direktem Übertrag auf die Superkarte. Das spart nicht nur Ressourcen, es verhindert auch, dass wir an der an Kasse fünf Minuten zusätzlich anstehen müssen, bis der Kunde vorne seinen Gutschein gefunden und eingelöst hat[1].
  • Informieren Sie per Email über Aktionen und Rabatte. Das ist zwar nicht CO2-frei, aber dennoch besser als gedruckte Broschüren.
  • Kreieren Sie Gutscheine an der Kasse, die automatisch auf die Superkarte geladen werden anstelle der Gutscheine auf Quittungspapier. Auf der Quittung steht dann nur eine zusätzliche Zeile, z.B. „10% auf Max Havelaar Bananen bis 31.3.“ So erhalte ich den Rabatt auch dann, wenn ich den Gutschein zu Hause vergesse oder verliere (was natürlich immer passiert).

Und wenn dies alles nicht reicht, erschaffen Sie das Coopémon Go – analog zum Pokémon Go[2]. So können Spiel- und Rabattsüchtige in Coop Filialen nach Superpunkt-Monstern und Pikachu-Rabatten jagen und sich in sozialen Netzwerken austauschen („Du, in der Coop Filiale in …, hinten links beim Kaffeeregal, vor den Haferflöckli, gibt’s das seltene und mit 1000 Superpunkten beladene … “).

Was auch immer Sie umsetzen werden, liebe Coop Genossenschaft, verschonen sie uns einfach vor dieser Papierflut.

***

1 Der beschriebene Kunde fand seinen Gutschein eben nicht und musste sich im Pool der zu tauschenden Gutscheine erst einen Neuen suchen. Das brauchte Zeit!

2 Ich habe es noch nicht patentiert! Beeilen Sie sich, bevor die Konkurrenz Ihnen mit dem MigrosMon zuvorkommt …

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